Spezies Mann - Der Schleier vor Yoga

Männer entdecken allmählich, wie gut Yoga ihnen tut - oft anlässlich von Verletzungen, die auf mangelnde Beweglichkeit zurückzuführen sind. Jedoch hält der Mann sich verdeckt. Kann es sein, dass sich der Mann immer noch in einer Begrenzung festhält? Eine Begrenzung die wir uns alle auferlegen - unser selbst geschaffenes Gefängnis der eigenen Gedanken. Ist Yoga eine reine Frauendomäne? Wäre Yoga nicht auch für Männer salonfähig oder ist Yoga einfach zu unmännlich? Ist Yoga Sport?

Spezies Mann - Der Schleier vor Yoga - Rene Hug Yin Yoga

Wenn du lieber Leser gerade ein Mann bist und diesen Artikel liest, halte bitte zwischendurch einen Moment inne. Reflektiere ehrlich, wie meine Worte bei dir ankommen. Beachte dabei auch meine lange Erfahrung, die ich mit Männern und Yoga machen durfte. Welches Feedback ich mir anhören musste und wie Männer manchmal außerhalb der Yogastunden auf mich gewartet haben, damit es keiner mitkriegt was man mir sagen oder fragen wollte.

 

Angst vor neuen Dingen resultiert in Widerwillen und Stillstand 

 

Ich habe es oft erlebt, dass Menschen, besonders Männer, sich automatisch vor neuen Herausforderungen verschliessen. Der Geist schliesst sich, wenn man das Gefühl hat, etwas nicht zu können. Der Mann geht dann häufig in die Defensive: Yoga ist mir zu spirituell oder ich bin nicht fit genug. Eine gewisse Fassungslosigkeit, Widerwille und Sturheit kommen zum Vorschein. 

 

Dieses Verhalten schränkt die Vielfalt in unserem Leben aber erheblich ein. Wir machen eine Not zur Tugend. Wir probieren keine neuen Dinge mehr, weil wir vermeintlich schon alles wissen und kennen. Diesen Gedankengang sollte man jedoch lieber noch einmal überdenken. Denn mit diesen Gedanken manifestiert sich ein Stillstand.

 

Was ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Yoga?

 

Für mich persönlich gibt es keinen Unterschied zwischen Yoga für Männer und Yoga für Frauen. Aus anatomischer Sicht ist der männliche Körper meist kräftiger gebaut als der weibliche. Außerdem haben einseitige Bewegungsabläufe oder falsches Training die Beweglichkeit bei vielen enorm beeinträchtigt im Bereich; Schulter, Wirbelsäule, Becken und hintere Oberschenkelmuskulatur. Die Folge davon sind muskuläre Dysbalancen. Männer würden gut daran tun, weniger Zeit in Bars oder mit Muskeltraining zu verbringen und mehr Zeit und Praxis in Yogakurse zu investieren. 

 

Ist Yoga zu spirituell für Männer?

 

Die Frage, ob Yoga spirituell ist. Das sollte gar nicht die Frage sein, denn Yoga ist ein Transportmittel zu einer Spiritualität. Es ist ein Weg den man beschreiten kann, wenn man selber dazu bereit ist. Welcher Weg es ist, das bleibt individuell. 

 

Es gibt ab und zu anfangs eine stärkere Zurückhaltung bei Männern, sich auf die Erkundung ihrer zweifelsohne vorhandenen, vielleicht verschütteten, Spiritualität einzulassen. Dabei habe ich bemerkt, dass immer mehr Männer sich über Spiritualität offensichtlich zu viele Gedanken machen. Männer sind auf den Spuren, der Suchenden, der Erleuchteten, der Magier, Druiden, Yogis und Schamanen. Eines der Dinge, mit denen Männer hinsichtlich Probleme haben, ist der Gedanke, man müsse quasi ein Guru werden, um Yoga zu praktizieren. Hat aber nichts mit  „Männer“ Spiritualität zu tun, in meinen Augen gibt es die nicht. 

 

Wozu sind wir eigentlich hier? Der Druck etwas Sinnvolles zu tun.

 

Oft sind die Männer überfordert, weil wir uns selbst nicht richtig kennen, weil wir nicht wissen, woher wir kommen, wohin wir gehen werden, wer wir sind und wozu dieses Leben eigentlich da ist. Das Leben erscheint so für manch einen unsinnig, fast sinnlos und eine ermüdende mechanische Wiederholung. Der Mann tut sich oft schwer, ohne das Gefühl zu leben, etwas Sinnvolles zur Welt beizutragen. Mann möchte sich schöpferisch und gestalterisch austoben, aktiv am Leben teilnehmen. Wenn der Mann aber einmal den Zugang zu sich selbst gefunden hat, ist die Entwicklung des Mannes sehr deutlich sichtbar. Der Mann erlebt im Tun der Praxis, dass der Körper ein Ausdruck des Wunders des Lebens ist und dass, wenn es eine unbekannte Quelle dieses Wunders gibt, diese nicht getrennt von ihrer Wirkung sein kann.

 

Männer Intuition und mentale Beschränkungen hinter sich lassen

 

In der heutigen Zeit, wird es Zeit, dass der Mann frei ist von Konzepten und Idealvorstellungen und sich eher auf seine Intuition verlässt und seine Wesensart lebt wie er ist. Die selbst auferlegten mentalen Beschränkungen ablegt und sich öffnet für die eigene Größe, den eigenen Mut, das eigene ICH lebt. Die alten Schriften von Yoga nennen das Erleuchtung. Daher bin ich auch der Auffassung, dass diese ständige erwähnte Erleuchtung damit zu tun hat, dass „MANN“ seinen Platz im Leben findet, sonst wären wir ja nicht hier!

 

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass jede Form der Yogapraxis uns Männern hilft, uns selbst näher zu kommen. Damit der Mann für sich selbst steht und seine Kraft und sein Strahlen eine natürliche Attraktivität hat. Mit seinen entsprechenden Neigungen und Talenten, unabhängig von seinen Überzeugungen und Werten. Das er mit Vehemenz für seine Ideale und Ziele eintritt; sich mit allem, was er hat, einbringt und zu dem steht, wer er ist. 

 

Yoga Einstieg für Männer über Kraft und Körper

 

Yoga ist wie ein Baukasten, aus dem man sich anfangs die Dinge nimmt, die einem am vertrautesten vorkommen oder am erstrebenswertesten. Der Einstieg in den Yoga finden die Männer oft, indem man sie gezielt in der Kraft und weniger in der Beweglichkeit fordert und fördert. Mit der Zeit sind sie dann überrascht, über die Wirkung der Übungen auf den Körper. Hinzu kommt, dass man dann feststellen darf, dass keine besondere Flexibilität vorhanden sein muss. Yoga fördert dies, bei regelmäßiger Praxis und ist keine Grundvoraussetzung. Bei Yoga kommt es nicht darauf an, der Beste, Erste und Schnellste zu sein. Es kann nur mehr schaden, wenn Ungeübte zu viel Kraft einsetzen und dabei ihre Bänder überdehnen oder die Gelenke übermäßig belasten.

 

Das zentrale Element beim Yoga ist für mich die Stille, sprich Ruhe, in der Stille, zu mir selbst zu finden. In der Stille liegt die Kraft. Yoga will eine Einheit zwischen Körper, Atem und Bewusstsein schaffen. Männer unterschätzen diesen Aspekt am Anfang oft. Wenn sie es aber entdecken, sind sie ganz schnell in der Lage, sich und ihren eigenen Körper besser zu spüren und gleichzeitig ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und akzeptieren zu können. Dabei sind sie sensibler und offener gegenüber ihren Mitmenschen.

 

Yoga unterstützt uns klar zu werden und im Leben zu funktionieren

 

Es ist wichtig, sich immer wieder mental von den alltäglichen Dingen zurückzuziehen und den Geisteszustand zu klären. Dies ermöglicht neue Ideen und erfrischt den Geist vom Stress des Alltags. Aus diesem Grund praktiziere ich immer wieder Yin Yoga, Atem und Meditation. Den Männern fällt es einfacher, nach einer physischen Yoga Praxis, Yin zu praktizieren oder zu meditieren.

 

Yoga ist ein Werkzeug, das uns dabei unterstützt, in unserem Leben zu funktionieren, und er ist nicht-religiös. Er verlangt nicht von uns, jemand anders zu werden, als wir sind, oder außerhalb unserer selbst nach etwas zu suchen. Vielmehr hilft Yoga uns ein guter Mensch zu sein. Yoga kann völlig unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit eines Menschen praktiziert werden, und natürlich auch von jemanden, der sich gar keiner Religion zugehörig fühlt.

 

Auf die Frage ob Yoga männlich ist, habe ich eher mal die Gegenfrage: Was ist ein Mann?

 

Für mich hat ein Mann Grösse, wenn er menschlicher ist als ein Mann, der die Vorstellung hat, ein Mann zu sein. Der seinen eigenen individuellen Weg zur Selbstverwirklichung geht. Dabei nicht ständig nach Vergleichen schaut und sich zu messen versucht. Er soll mit Herz leben und ihm folgen und sich von allem unabhängig treiben lassen.

 

- Der Geist ist im Leben.

Er ist das, was dem Leben Leben verleiht  -

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